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Feinstaub, eine tatsächliche Bedrohung?

Über Feinstaub wurde in den letzten Jahren viel debattiert. Umweltschützer sprechen von einer Gesundheitsschädigung für den Menschen. Axel Friedrich, externer Berater bei der Deutschen Umwelthilfe, fordert sogar die allmähliche Abschaffung von Kreuzfahrtschiffen, Kaminen und Öfen. Doch was hat es wirklich mit den winzigen Partikeln auf sich und besteht eine Gefahr durch Kamine?

Verursacher von Feinstaub

Feinstaub kann sowohl durch den Menschen als auch auf natürliche Weise entstehen. Feinstaubquellen, die durch den Menschen verursacht werden, sind Kraft- und Fernheizwerke, Autos, Öfen und Heizungen in Gebäuden, Tierhaltung und bestimmte Industrieprozesse.

Dabei gelangt der Feinstaub nicht nur aus Motoren in die Luft, sondern auch durch Bremsen- und Reifenabrieb sowie durch die Aufwirbelung des Staubes auf der Straßenoberfläche.

Auch die Landwirtschaft trägt durch ihre Tierhaltung zur Feinstaubbelastung bei. Natürliche Quellen für Feinstaub sind Emissionen aus Bodenerosion, Pilze, Sporen von Bakterien, Viren, Waldbrände und Emissionen aus dem Meer.

Prozentual verteilen sich die Feinstaubauslöser anders als oft angenommen. Nach der Meteorologin Marion Wichmann-Fiebig ist mit der Einführung der Rußpartikelfilter die durch Fahrzeuge verursachte Feinstaubbelastung auf nur noch 12 % in Deutschland zurückgegangen. Der Anteil der verarbeitenden Industrie liegt bei 19 % und des Energiesektors bei 15 %. Damit stammen 54 % der Feinstaubpartikel aus anderen Quellen. Dazu gehören alte Holzöfen und Kamine, aber auch die Landwirtschaft. Es sind die Rußteilchen aus den Traktoren, der Sand trockener Ackerböden und das Ammoniak, das bei der Tierhaltung entsteht. Mit 23 % gilt sie als der größte Verursacher von Feinstaubpartikeln.

Bedrohung durch Kamine und Kachelöfen?

Axel Friedrich ist bei dieser Verteilung anderer Meinung. Er sieht die Holzfeuerung als die Hauptquelle von Rußpartikeln. Die Studien auf denen er sich hierbei stützt stammen aus den Jahren, in denen zirka 80 % aller Haushalte mit Kaminen und Öfen mit Holz feuerten. Mit der Einführung des Immissionsschutzgesetzes kam es allerdings zu Veränderungen und Umbauten seitens der Hersteller und damit zu anderen Werten.

Tatsächlich ist es so, dass bei technisch veralteten Anlagen und falscher Holzfeuerung schnell 4.000 mg/m³ Feinstaub aus dem Kamin entweichen. Moderne, korrekt betriebene Kaminöfen dagegen stoßen Feinstaub nur noch weit unter 100 mg/m³ aus. Für Anlagen, die vor dem Inkrafttreten des Immissionsschutzgesetzes in Betrieb gingen, liegen die Grenzwerte bei 4 Gramm Kohlenmonoxid und 0,15 Gramm Feinstaub pro Kubikmeter. Für Anlagen, die nach 2015 errichtet wurden, liegen die Grenzwerte bei 1,25 Gramm Kohlenmonoxid und 0,04 Gramm Feinstaub pro Kubikmeter.

Voraussetzung für eine feinstaubarme Holzfeuerung ist der richtige Betrieb sowie das Alter der Anlagen. So verschmutzt nasses Holz die Luft, da dieses nicht richtig anfeuert. Bei den Anlagen spielen korrekt dimensionierte Brennräume und gezielte Verbrennungsluftführungen eine große Rolle – bei modernen Kaminen selbstverständlich.

Aufgrund des Immissionsschutzgesetzes, das im Jahr 2010 in Kraft trat, verschwinden technisch veraltete Anlagen, die älter als 30 Jahre sind, nach und nach oder müssen mit einem Spezialfilter nachgerüstet werden. Moderne Anlagen und der korrekte Betrieb erlauben ein schadstoffarmes Befeuern von Kaminöfen. Das Problem der Feinstaubbelastung der Holzfeuerung zuzuschreiben, ist also zu pauschal.

Gefahr für die Gesundheit?

Nach Einschätzungen der Weltgesundheitsorganisation sterben jedes Jahr weltweit mehrere 10.000 Menschen vorzeitig durch Feinstaub – so die pauschale Aussage. Bei einer differenzierten Betrachtung des Feinstaubs jedoch wird der Widerspruch deutlich. Studien haben gezeigt, dass nicht die Umweltbelastung allein die Gesundheit des Menschen schädigt, sondern eine Reihe von Faktoren zusammenkommen muss, um einen schädlichen Einfluss auf den menschlichen Organismus zu haben.

Laut einer Langzeitstudie von Barbara Hoffmann, eine der führenden Umweltmediziner Europas, lebt der Mensch durch die Feinstaubbelastung und durch Stickoxid durchschnittlich zehn Monate kürzer. Dabei hat ein Mensch, der an einer stark befahrenen Straße lebt, eine höhere Wahrscheinlichkeit, früher zu sterben. Allerdings ist nicht bewiesen, was die tatsächliche Todesursache war.

Wie Barbara Hoffmann sagt, sind es die Risikofaktoren des Einzelnen, die die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung beeinflussen. Wer gesund lebt, wenig Alkohol trinkt, nicht raucht und Sport treibt, hat ein geringeres Risiko zu erkranken als ein Mensch mit einer ungesunden Lebensweise.

Nicht die Luftschadstoffe allein machen also den Menschen krank. Das Risiko hängt vom Lebenswandel und auch einer genetischen Veranlagung ab, so Barbara Hoffmann.

Die Wahrheit über Kachelöfen

Umweltfreundlich heizen

Wenn Sie eine moderne Anlage besitzen oder in der Überlegung sind sich einen Kaminofen anzuschaffen, brauchen Sie somit keine Bedenken zu haben. Stattdessen bringt die Holzfeuerung zahlreiche Vorteile mit sich. Dank ihrer CO2-Neutralität sind moderne Kamine und Öfen extrem klimafreundlich.

Sie besitzen nachweislich eine gesunde Strahlungswärme und darüber hinaus durch die Erneuerbarkeit von Holz eine hohe lokale und regionale Wertschöpfung. Einen gemütlichen Abend vor dem Kamin oder Kachelofen können Sie also ganz beruhigt genießen.

Expertentipp

Die Feinstaubbelastung kann man auch beim Betrieb von Öfen und Kaminen durchaus gering halten. Moderne Anlagen und der korrekte Betrieb erlauben ein schadstoffarmes und nachhaltiges Heizen. Alte Öfen werden im Zuge der Bundesimmissionsschutzverordnung nach und nach ausgetauscht und modernisiert.

Klaus Leihkamm, Leitung Handwerkerberatung & Kundendienst

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